Das simple Wort
vom Wetter
macht aus dem vorüber eilenden Fremden
mit verstöpselten Ohren
einen Nachbarn und Menschen
Wir verlassen unsere Inseln
für den Moment
der Begegnung
tauschen
warme Blicke
teilen Gefühle
und gehen unserer Wege
weniger einsam
mit Proviant
in der Tasche
Christine Ruppert © 2026
Jede Sprache
Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis.
Und der das All umfasst kennt jede Sprache. Halleluja!
Die Sprache der Morgensonne im Blattgrün
das Flüstern von Wind und Regen
den Chor der Vögel am Rande der Dämmerung
die Stille des Herzens
in der ein Wort sich formt
den Jubel lebendiger Zellen
die Sprache des Schmerzes
die Klage von Kummer und Weh
und Leiden das sprachlos macht
die Lieder meiner auferstandenen Hoffnung
das Sprudeln der Quellen
durchdringst Du
heilige Trostkraft
mit Deiner liebenden Gegenwart
Christine Ruppert © 2026
Bibelzitat: Weisheit 1,7
Auf kargem Boden
Auf kargem Boden
existieren
mit Mangel umgehen
mit Schmerz
und doch
geheimnisvoll versorgt
verbunden
mit der tiefen Wurzel
die trägt
mit der Quelle allen Seins
sprudelnd leuchtend
grün und schöpferisch
So
wachsen wir
zuweilen
über uns hinaus
Christine Ruppert © 2026
(inspiriert von Joh. 15, 1-8)
Sorgen und Engel
Sorgen und Engel
stehen um mein Bett zur Nacht
schrecken mich die einen
umgibt mich doch der anderen
tröstlicher Gesang
In aller Ungeborgenheit
geborgen
schlafe ich ein
Mein ängstlich schlagendes Herz
gehalten
in Deinem Arm
Christine Ruppert © 2024
Alles neu
In mein Altes hinein
in Verkrustetes
Verhärtetes
in die schlechten Träume
von Generationen
hinein
Sprichst Du
SCHAU
ICH MACHE ALLES NEU
So oft enttäuscht
so oft wieder am Tiefpunkt gelandet
gefangen
in Schmerz und zäher Gewohnheit
lache ich bitter
Alles neu?
Dein JA
trifft mich
mitten ins Herz
Ich darf
erwartungsvoll leben
das Schwere nicht festhalten
wieder Wünschen lernen
Deiner Verwandlungskraft trauen
jeden Tag neu
trotz allem
Christine Ruppert © 2026
Advent inmitten
Ein wollenes Tuch breiten
über all die
unerledigten Aufgaben
Ein Licht anzünden
inmitten
der alles verschlingenden Dunkelheit
Die Nachrichten
den Schmerz
Gott hinhalten
Hoffnung
herbeisehnen
Advent
inmitten
Christine Ruppert @ 2025
Der Zustand der Welt
Der Zustand der Welt
erschreckt mich
Die Grenzen der Gewalt
die Grenzen des Sagbaren
verschieben sich täglich
Ich will nicht wegschauen
Ich kann nicht hinsehen
Mein Mitgefühl
erstarrt zur Salzsäule
Die nicht geweinten Tränen
die weggeschobenen Ängste
machen das Leben mühsam
Leicht reizbar
leicht aus dem Gleichgewicht
zu bringen
lebe ich meine Normalität
weiter
wage die wichtigen Fragen
nicht zu stellen
Christine Ruppert © 2025
Lesung Stadtansichten
Ein Abend mit Poesie und Musik
Mittwoch, 12. November 2025
18:30 Uhr im Foyer der Johanneskirche Düsseldorf

Christine Ruppert liest eigene Gedichte, die dem Leben in der Großstadt nachspüren. Ihre Texte erzählen von Begegnungen und Anonymität, von Naturerfahrungen mitten im urbanen Raum und von verschiedenen Blickwinkeln auf das Miteinander und Nebeneinander der Menschen in der Großstadt.
Im Anschluss an die Lesung lädt die Autorin die Teilnehmenden ein zum Austausch über das Gehörte und gibt Anregungen sich auf kreative Weise den eigenen Erfahrungen mit dem Stadtleben zu nähern.
Musikalisch wird der Abend gestaltet von Prof. Oskar Gottlieb Blarr am Klavier.
Referentin: Christine Ruppert, M.A., Germanistin und Soziologin
Leitung: Dr Gabriela Köster, Teilnahmebeitrag 7 €
Anmeldung: kirsten.lehnhardt (at) ekir.de oder https://estadus.info/kurs/stadtansichten-685bcc34fdd50bdccd05ec8e/
Veranstaltungsort: Foyer der Johanneskirche,
Martin-Luther-Platz 39, Düsseldorf
Die Stadt von innen – die Stadt von außen
In meinen drei Zimmern
ist es ruhig
ein Zimmer Schlaf
ein Zimmer Sorgen
ein Zimmer Zuversicht
geborgen
doch eng zuweilen
sehe ich nur
den Baum den Hof die Straße
und eine Handvoll Häuser
von der Stadt
Draußen
ist die Stadt
laut und voller Menschen
ein Gewühl ein wilder Strom
von Bildern Tönen und Gerüchen
Die Stadt ist Theater
großer Fluss und glitzernde Welt
Stoßstange an Stoßstange
hässlich und schön
Die Stadt ist vieles
Ich lebe
mittendrin
© Christine Ruppert 2024
Sommerregen
Sommerregen
verwandelt meine Stadtwege
in Waldwege
Den Bordstein entlang wuchert Grün
Blumen durchbrechen
die Ordnung des Asphalts
führen meine Gedanken
auf Abwege der Erinnerung
geben der Stadt
ein zarteres Gesicht
Christine Ruppert © 2025
